Am 9.ten Februar 2008 werden im Beverly Wilshire Hotel, Los Angeles, die Science und Technical Achievement Awards verliehen.

Für die Münchener Firma "Flowline" entwickelten Stephan Trojansky (Geschäftsführer FlowLine) sowie Thomas Ganshorn (NOVAimages) und Oliver Pilarski die Software FlowLine.
Diese wurde unter anderen in den Filmen "300", "Harry Potter 5" oder "Poseidon" sehr erfolgreich eingesetzt.

Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass Sie jetzt von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences mit dem begehrten Technical Achievement Award 2007 ausgezeichnet wurden.

Dies gab die Academy am 04. Januar 2008 auf Ihrer offiziellen Internet-Seite bekannt ... "To Stephan Trojansky, Thomas Ganshorn and Oliver Pilarski for the development of the Flowline fluid effects system. Flowline is a flexible system that incorporates highly parallel computation, allowing rapid iteration and resulting in detailed, realistic fluid effects... "



tomverrückt
Herr Ganshorn, ich gratuliere Ihnen zu der Auszeichnung. Wie geht es Ihnen, da Sie jetzt wissen, Sie und Ihre zwei Kollegen haben einen Technik-Oscar gewonnen?

    Ganshorn: Ich fühle mich natürlich sehr geehrt durch diese Auszeichnung, aber wegen der Verleihung selbst bin ich schon ein wenig nervös.
    Ausserdem hätten wir nie gedacht, dass es für die Medien so interessant ist.

Wie haben Sie überhaupt davon erfahren und was haben Sie in diesem Moment gedacht?

    Ganshorn: Ich habe am Tag davor bis frühmorgens an FlowLine gearbeitet und bin todmüde ins Bett gefallen. Ich glaube es war so gegen 16 Uhr, am nächsten Tag, als Stephan versucht hat mich anzurufen. Leider hat er in diesem Moment nur meine Mailbox erreicht. Ein paar Minuten später habe ich sie dann abgehört und nur verstanden ich solle doch unbedingt anrufen. Als ich dann Stephan am Apperat hatte, sagte er nur "Ich habe hier einen Brief für dich ... "Dear Mr. Thomas Ganshorn, we are proud to inform you ...".
    Im ersten Moment habe ich gedacht er will mich damit auf den Arm nehmen, aber als ich dann langsam wach wurde und verstand was er mir vorgelesen hatte, konnte ich es kaum glauben. Ein paar Minuten später war ich schon auf dem Weg zu Flowline um mich davon zu überzeugen das es kein Scherz war. Kaum bei Flowline angekommen stand ich im Büro von meinem Chef mit genau diesem Brief in der Hand. Ich stand da nicht lange. Denn wäre das der Fall gewesen hätte mich der Notarzt behandeln müssen (grinst)...

Fliegen Sie eigentlich persönlich zur Oscar-Verleihung?

    Ganshorn: So eine Chance bekommt man wahrscheinlich nicht zweimal im Leben, also warum sollte ich da nicht persönlich hinfliegen... Es wird sicher ein ziemliches Erlebnis sein und das will selbstverständlich nicht verpassen

Was macht FlowLine aus, so dass sie dafür ausgezeichnet wurden ?

    Ganshorn: Viele Dinge, aber das wichtigste, aus meiner Sicht heraus, ist der Aufbau der Software.
    Andere Softwarepakete sind wie eine grosse Black Box. Oben packt der 3D Künstler seine Szene hinein, dann dreht er ein paar Rädchen an der Box und unten kommt die Szene mit Wasser heraus. FlowLine arbeitet da anders. Auch hier füllt der 3D Artist die Weltbeschreibung oben rein, aber anstelle die BlackBox nur über ein paar Parameter zu steuern, hat der 3D Artist die Möglichkeit diese BlackBox selber zusammen zu bauen.

Das klingt ja erstmal nach mehr Aufwand oder ?

    Ganshorn: Richtig, das ist ein etwas größerer Aufwand. Und wenn man nur ein Glas Wasser simulieren will, wäre das natürlich kontraproduktiv. FlowLine ist aber nicht dazu da um ein paar Wassergläser zu simulieren sondern riesige stürmende Ozeane auf denen Schiffe treiben, kollidieren und zerstört werden. Schlangen aus Feuer oder Dämonen aus Wasser, schwimmendes Öl das sich entzündet und riesige Flammensäulen entstehen lässt. Und dafür braucht man viel mehr Kontrolle als eine geschlossene BlackBox bietet. Wir können dadurch sogar "unphysikalisch" rechnen.
Unphysikalisch ? Ist das nicht schlecht ?

    Ganshorn: Wenn wir Wettersimulationen oder Crashtests machen würden, dann sicher. Aber wir machen ja Film und da ist nicht wichtig ob etwas physikalisch korrekt ist, sondern dass es gut aussieht. Und oft muss man da der Physik etwas auf die Sprünge helfen.

Das Interview führte Nadine Aichinger